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Bericht des Eichstätter Kuriers vom 20.06.2006


"So schief wie der Nachbar sing ich allemal

"Volkslieder, für Jung und Alt im Jura-Bauernhof-Museum / Seit 1992 wird in Hofstetten gesungen

"Lieder muss man benutzen", meint Ernst Schusser, und macht mit Veranstaltungen wie jener am Sonntag in Hofstetten vor, wie viel Spaß das machen kann.Hofstetten (ztt) Die Liederhefte waren schnell verteilt, und spätestens bei der zweiten Strophe stimmten alle mit ein. Beim 15: Moritatensingen im Jura-Bauernhof-Museum war wieder aktives und lautstarken Mitsingen gefragt. Ernst Schusser und sein Team vom Volksmusikarchiv Oberbayern (VMA) gaben den Ton vor, und der Chor der Museumsbesucher wuchs von Lied zu Lied. Balladen, Moritaten und gesellige Wirtshauslieder: Von „Adam und Evas Sündenfall" bis hin zur „Jägerlüge" reichte das kurzweilige Liedgut.

Mit musikalischem Fingerspitzengefühl übte Schusser die Stücke ein, gab Akkorde vor, ließ die erste Strophe vorsingen, korrigierte hier und da etwas um eine Tonlage nach oben oder unten. Aber perfekt sollte es ja gar nicht klingen: „Wichtig ist, dass man Spaß dabei hat", so Schusser. Und er fügt hinzu: „Jeder singt so gut er kann, und so schief wie der i Nachbar sing ich allemal". Aber schief klang es ganz und gar nicht, was da gut drei Stunden lang geboten wurde.

Seit 1992, und damit jetzt zum 15. Mal, organisiert Kreisheimatpfleger Wunibald Iser die Mitsingnachmittage. Beim „kleinen Jubiläum" konnte er wie in den Vorjahren wieder zahlreiche Volksmusikbegeisterte begrüßen: Auch Liedgut aus dem Landkreis fand sich im Repertoire. Mitarbeiter vom VMA sind seit Jahren in ganz Oberbayern unterwegs, um alte Melodien und Texte zu sammeln und zu archivieren. In Böhmfeld stießen sie dabei auf eine stattliche Zahl von Liedern, und aus Pietenfeld stammt das „Schäfermädchen weidete". Ein Stück, das auch im Archiv lagert und bei den Mitsing-Nachmittagen „rausgeholt" wird.

Lebendiges Liedgut

 Die "Hundsruck-Musi" spielte während der Gesangspausen auf und zeigte, dass auch die Jugend Freude am geselligen Musikmachen hat. Genau darum geht es Schusser. „Lieder sollen nicht wie im Museum nur lagern. Man muss sie benutzen und wenn nötig auch weiterentwickeln." Keine verstaubten und verzwickten Akkorde, sondern lebendiges Liedgut: Schussers Devise scheint aufzugehen. Zu den Auftritten kommt auch die Jugend. In Hofstetten musizierte die sogar aktiv mit: die „Hundsruck-Musi" spielte in den nur kurz bemessenen Gesangspausen auf, und ein Teil der Musikanten war vom Führerschein-Alter noch etwas entfernt. Immer wieder schwärmte Schusser von „den hübschen jungen Musikerinnen".

Bei „seinen" Liedern nahm er dann aber wieder selber das Zepter in die Hand: Mit dem Akkordeon zog er quer durch die Bierbank-Reihen, erzählte Anekdoten rund um die Lieder, um dann gleich sofort wieder eines anzustimmen.

                                    Jura-Bauernhof-Museum, Schlossstr. 19, 85122 Hitzhofen-Hofstetten, E-Mail