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| | Bericht des Eichstätter Kuriers vom 22.06.2004
Bei Moritaten und Balladen stimmten alle laut mit ein
Beste Laune im Jura-Bauernhof-Museum Hofstetten
 Hofstetten
(ztt) Schon auf der Straße vor dem Museum hörte man den lautstarken und kräftigen
Gesang. Was bei einer Konzertbesprechung sicher nicht das Gefallen des Kritikers
gefunden hätte, war beim jährlich statt-findenden „Moritaten- und
Balladensingen" ein wahrer Genuss, gerade wegen der nicht immer exakt
getroffenen Töne und der Hasperer und Versprecher im Text. „Wichtig ist nicht
un-bedingt das richtige, sondern das gemeinsame Singen", ließ auch Ernst
Schusser vom Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern wissen. Der Stadel im
Jura-Bauernhof-Museum Hofstetten war am Sonntagnachmittag gut gefüllt, eng an
eng standen Bänke und Tische. Bei Kaffee und Kuchen und auch dem ein oder
anderen Bier ließ es sich aushalten, war doch Abwechslung geboten bei allen
Liedern und Erzählungen. Schusser lief mit seinem Akkordeon durch die Reihen,
gab immer wieder Sprüche und Anekdoten zum Besten und sorgte somit für
Kurzweil.
 Die
acht „Wirtshaus- und Moritatensänger" die eigens von Berchtesgaden, München
oder Bruckmühl angereist waren, zeigten sich keineswegs als reine Vorsänger.
Sie gaben nur kurz die Melodie und erste Strophe eines jeden Liedes vor und
ordneten sich dann dem vollmundigen Mitgesang der Zuhörer unter. Die
schmetterten und pfiffen, jubilierten und trällerten fröhlich mit. „Die Räuberbraut"
und auch der „Tannhauser" erzählten dabei textlich ganze Geschichten.
Die gesungenen Überlieferungen wurden auch mit farblichen Plakaten anschaulich
bebildert. Mit dem Zeigestock wies einer der Wirtshaussänger immer auf das
passende Bild zur entsprechenden Strophe. Die kleinen Zeichnungen zeigten sowohl
den Räuber tief im Wald, ', wie auch den Schneider in der ' Hölle, der den
„Teufeln die Schwänzel" abschnitt. Die Texte waren allesamt nachzulesen
in den ausliegenden Liederheften, und so konnten auch die Besucher auf den
hinteren Reihen in der Scheune in den Vokalreigen mit einstimmen. Schussers
Diatonische spielte die Melodien, er gab Takt und Rhythmus vor, um dann einem
Dirigenten gleich die ganze Masse zu animieren und zum Mitsingen zu bewegen.
 Im
Publikum war auch das Ehepaar Zinsmeister aus Lippertshofen, das sich schon seit
langem dem heimischen Liedgut widmet. Und auch eine Hand voll Männer der
Hofstettener „Singenden Runde" ließ sich nicht zwei Mal bitten und
stimmte voll-mundig mit ein beim „Saubärgrunzer" oder dem Lied über den
„Einsamen Säufer". Ein Mal im Monat treffen sich die 15 bis 75-jährigen
Sangesfreunde im Nebenzimmer eines Wirtshauses. „Um alte Traditionen nicht zu
vergessen", komme man im-mer zusammen, verriet einer der Sänger. „Früher
habe man immer in den Wirtshäusern gesungen, und nach der letzten Halbe sei man
sogar singend ums Dorf gezogen", schwelgt er in Erinnerungen. Die Lieder
beim Wirtshaussingen waren dann auch vielen den Anwesenden noch bekannt. Ein
Luftfahrtingenieur erinnerte sich an die wöchentlichen Volkstanzabende. Unter
der Leitung von Alfons Bergmüller sei man auch in Kloster Rebdorf immer
zusammengekommen. „Und in den Pausen wurde dann auch gesungen", so der
passionierte Musikbegeisterte. In den gesangfreien Pausen im
Jura-Bauernhof-Museum stimmte die Tanzlmusi der Familien Schödel, Unterholzer
und Mayer ein.
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