|

| |
Bericht des Eichstätter Kuriers vom 01.07.2003
Von männlichen und
weiblichen Heuschrecken
Mitsingnachmittag im
Jura-Bauernhofmuseum Hofstetten / Texte fürs Publikum
Hofstetten
(ztt) Mit voller Stimme gaben nicht nur die „Vorsänger" ihr Bestes: Auch das
Publikum ließ sich nicht zwei Mal bitten und sang die Wirtshauslieder, Balladen
und Moritaten lautstark und kräftig mit: Der Innenhof des Jura-Bauernhofmuseums
war gut gefüllt, unter den Sonnenschirmen waren Jung und Alt zusammengekommen,
und dank der ausliegenden Liedhefte waren die Texte auch für jedermann
nachzulesen. Die Wirtshaus- und Moritatensänger des Bezirks Oberbayern waren in
voller Besetzung angereist: Neun Sängerinnen und Sänger ziehen mit ihrem
Repertoire des Volksmusikarchivs durch die (bayerischen) Lande und halten die
alte Tradition der Gstanzln, Couplets und Vierzeiler lebendig. Bei ihrer Station
im Kipflerhof wurden sie musikalisch von der „Tanzlmusi Schödel-Unholzer-Mayer"
begleitet. Ganz im Stile der Hausmusi spielen in der achtköpfigen Blasmusik drei
Familien mit Vater, Tochter und Sohn zusammen.
Kreisheimatpfleger Wunibald Iser zeichnet seit 1992
für diese geselligen Nachmittage mit bodenständiger Sanges- und Musikkultur
verantwortlich. Auch heuer wieder boten die Lieder von allem etwas, ging es um
Trauer und Freude, Liebe und Leid, Pech und Glück. Das Volksmusikarchiv (VMA)
sammelt und dokumentiert seit 1985 alte Lieder; Noten, Schellackplatten und
Textblätter. Wolfgang Englmeier erläuterte gegenüber unserer Zeitung die Ziele
des VMA. Wichtig sei „nämlich nicht nur das Sammeln, sondern auch das Singen der
Lieder". Man wolle nicht wie in einem Museum alles nur bewahren, sondern
„lebendig halten". Die alten Texte waren auch dann in Hofstetten wieder in aller
Munde. Vom „Wirtssepperl z' Garching" mit 21 Strophen, hin zum Lied über „A
Heischreck und a Heischreckin" handelten die Lieder zum Mitsingen. Die Besucher
stimmten fröhlich mit ein, und unter der Leitung von Ernst Schusser an der
Diatonischen blieb auch auf den hinteren Reihen keiner stumm.
Schuster,
seines Zeichens Leiter des VMA in Bruckmühl, erzählte Geschichten, reimte und
witzelte und trat dann als „Vorsänger" in Aktion. Die Heimatverbundenheit zeigte
sich besonders deutlich in der lokalen Abwandlung des Liedes über „Das arme
Dorfschulmeisterlein". Die letzte Strophe erzählte dort vom „Lehrer von
Hofstetten, in der Schul haut er d' Kinder, dahoam hautn 's Weib". Die
gesungenen Geschichten wurden auch mit farbigen Plakaten anschaulich bebildert.
Mit dem Zeigestock verwies einer der Wirtshaussänger immer auf das passende Bild
zur entsprechenden Strophe. So zeigten die kleinen Zeichnungen sowohl das
besungene Hochzeitsfest als auch die Schulkinder, die im Unterricht
eingeschlafen waren.
Anders als bei der Veranstaltung „Volksmusik in der
Residenz" (wir berichteten), blieb das fröhliche Mitsingen im
JuraBauernhofmuseum vom Regen verschont. Und dennoch stimmte man zusammen mit
Landrat Dr. Xaver Bittl „Schau, schau, wia's ' regna tuat" an -und wollte damit
die ansatzweise vorhandenen dunklen Wolken vertreiben.
|