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Bericht des Eichstätter Kuriers vom 06.07.2004
Alt und Neu standen sich gegenüber
"Landwirtschaft gestern und heute" im Jura-Bauernhofmuseum
Hofstetten
Hofstetten
(ztt) Früher musste der Lanz-Bulldog mehrmals übers Feld fahren, um zu pflügen,
eggen, säen und nochmal nachzueggen. Der moderne Traktor von heute erledigt
mehrere Arbeitsschritte gleich auf einmal. Auf der großen Wiese hinterm Stadel
des Jura-Bauernhofmuseums standen sich beim Aktionstag des Bauernverbands
landwirtschaftliche Techniken wie zu Großvaters Zeiten und von heute
anschaulich gegenüber.
Alle waren sie aufgefahren: der Fendt-Schlepper
von 1968, der Mähdrescher von 1961 und auch der große High-Tech-Traktor. Neben
der Egge aus Holzrahmen lag die Stahlkonstruktion neuesten Datums, und auch der
Kunstdüngerstreuer ist längst nicht mehr "nur" eine große Holzkiste
auf Rädern mit einer Klappe, sondern ein glänzendes mobiles Silo.
Der
Star des Tages war jedoch keineswegs ein chromblitzendes Gefährt mit
Elektronik. Der meiste Augenmerk galten einer über 60 Jahre alten Maschine,
einem original Lanz-Bulldog, Baujahr 1939. Josef Schneider hatte fast zwei
Stunden Anfahrtsweg auf sich genommen, um sein robustes Ungetüm im Museum zu
zeigen. Spektakulär ging es zu, wenn er den Glühkopfmotor mit einer Lötlampe
vorheizte und dabei ein richtiges Feuer entfachte. Zum Ankurbeln wurde
kurzerhand das Lenkrad abmontiert. Wie geschmiert lief dann alles, es knatterte,
surrte und rauchte.
"Landwirtschaft gestern und heute" hatten
Bayerischer Bauernverband (BBV) und das Museumsteam den Aktionstag genannt. Die
Zeitreise begann dann auch gleich am museumseigenen Backofen. Hier waren es eher
Großmutters Techniken, nach denen Sabine Templer am Steinbackofen Brot backte.
15 Laibe Bauernbrot, gewürzt mit Anis, Koriander, Fenchel und Kümmel hatte
Templer zusammen mit ihren Kolleginnen vom Hauswirtschaftlichen Fachservice (HWF)
in den Ofen geschoben.
Wer
wissen wollte, woher die Zutaten überhaupt stammten, hatte bei einer Führung
zum Feldflora-Reservat Gelegenheit dazu. Hans Ganser erläuterte auf dem
"Museumsacker" am Ortsrand von Hofstetten den Anbau nach alter
Methode, ganz ohne Dünger und im Dreifelder-System. Dinkel, Emmer oder Einkorn
wachsen dort. Auf dem schmalen Ackerstreifen mit der Sommergerste überwiegt
diesmal das Unkraut. Die Kälteperioden der letzten Monate haben der Pflanzung
zugesetzt. Museumswart Ganser zeigte auch die vielen "Nebenprodukte"
am Feldrand, darunter echte Kamille und Kornblumen.
Früher weit verbreitet war in unserer Region der
Flachsanbau. Was mit den abgeernteten Stängeln passierte, war im Museumsstadel
anschaulich erlebbar. Flachsverarbeitung vom Riffeln, Rösten, Brechen hin zum
Schwingen und Hecheln und abschließend zum Spinnen wurde dort vorgeführt. Und
wer wollte, durfte selber Hand anlegen, die langen Flachsstängel durchs die
feinen Flachsriffel ziehen und am Flachsbrecher langsam zu Fasern brechen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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