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(Bericht des Eichstätter Kuriers vom 17. September 2002)
Pferdegöpel und Drischel in Aktion
Alte Landwirtschaftstechniken im Jura-Bauernhofmuseum vorgeführt
Hofstetten (ztt) Laute Schlaggeräusche drangen aus dem Stadel des Kipferlerhofes. Die Vorführung alter Landwirtschaftstechniken hatte es in sich. Was heute Mähdrescher in einem Arbeitsgang erledigen, war zu Urgroßvaters Zeiten schweißtreibende Handarbeit. Im Jura-Bauernhof-Museum in Hofstetten sind historische Werkzeuge nicht nur ausgestellt: Von Zeit zu Zeit werden sie auch vorgeführt, so am Sonntag bei einem "Aktionstag".
Mit kräftigen Schlägen auf die am Boden liegenden Ähren trennten vier gleich gekleidete "Bauersleut" die Spreu vom Weizen. Die Dreschflegel, auch Drischel genannt, sausten dabei mit einem hohen Tempo immer wieder zu Boden. Dreschersprüche begleiteten die harte Arbeit der Männer. Nach dem Wenden der Ähren wiederholte sich das Spektakel, und erst nachdem alles gut durchgedroschen war, konnten die Körner und das abgetrennte Stroh weiterverarbeitet werden. Die handbetriebene "Windmühle" übernahm dabei das Sieben der Körner und eine Sortierung nach Körnergröße.
Etwas moderner präsentierte sich die Stiftendreschmaschine.
Auf der Wiese hinterm Stadel drehte "Strizel", ein süddeutscher Kaltblüter, seine Runden. Durch die Zugkraft setzte er einen Göpel in Bewegung, der über lederne Keilriemen die Energie zur Dreschtrommel übertrug. Auch hier, kamen die Körner an der Seite der Maschine heraus, während das Stroh in hohem Bogen durch den Wind flog.
Gleichmäßige Schlaggeräusche auch im ehemaligen Stall des Hofes. Schmiedemeister Michael Vögele zeigte hier die alte Kunst des Dengelns. Der 77-Jährige schlug den Dengelhammer immer wieder im Gleichklang auf Sense und Amboss. Zahlreiche Gäste nutzen die Möglichkeit, um ihre Sensen noch mal schärfen zu lassen. "Ich habe früher, Ochsen und Kühe beschlagen, und auch die Hufbeschlagprüfung gemacht", verriet der Senior-Schmied.
Etwas ruhiger gaben sich zwei Frauen und ein Mann beim Seilschlagen. Zwischen "Schlitten" und "Geschirr" hatten sie dünne
Fäden gespannt. Durch kräftiges Kurbeln wurden diese zum robusten "Kälberstrick"
zusammengedreht. Früher wurden Flachsabfälle so weiterverwertet und erfüllten noch einen Zweck.
Die eigentliche Flachsverarbeitung zeigte Rosemarie Iser. Der Flachsanbau war früher in dieser Region weit verbreitet. Durch den Wegfall von Baumwollimporten in den beiden Weltkriegen gewann er noch mal kurzzeitig an Bedeutung. In Walting und Buxheim wurde noch um 1950 Flachs angebaut. Rosemarie Iser zeigte den Werdegang des Flachses am Flachsgriffel, der, einem eisernen Kamm ähnlich, die Leinsamen vom übrigen Teil der Pflanze trennte. Beim anschließenden Flachsbrechen wurden die holzigen Stängelteile gelöst, und übrig blieb der faserige Flachs, der im Flachshechel ausgekämmt wurde,
ehe er zum Spinnen weiterverwendet werden konnte.
Die alten Techniken zeigten hautnah, wie hart das Leben der Jura-Bauern einst war. Auch die Dauerausstellung im Jura-Bauernhofmuseum versucht dieses Bild zu vermitteln und zeigt in Stall und Stube Alltag und Arbeit vergangener Zeiten.
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