Kiefernstamm wird Brunnenrohr
Neubau des Brunnens durch die Freiwillige Feuerwehr Hofstetten
Mit einer besonderen Aktion wartete das Jura-Bauernhof-Museum dieser Tage auf. Wo sonst in Stube und Stadel das schwierige Leben in früherer Zeit gezeigt wird, konnte man nun hautnah die originalgetreue Wiederherrichtung eines alten Brunnens erleben. Direkt hinter dem stattlichen Jurabauernhof liegt ein alter kreisrunder Brunnen. In dem elf Meter tiefen Schacht stand bisher eine so genannte "Deicha", ein ausgehöhlter Kiefernbaumstamm.
Da dieses "Brunnenrohr" an einigen Stellen sehr morsch geworden war, kam beim Pumpen nicht mehr allzu viel oben an. Eine neue "Brunnendeicha" musste her.
Mit altertümlichen Werkzeugen und dem Wissen aus alter Zeit nahmen sich Männer der Freiwilligen Feuerwehr Hofstetten der Sache an. Unter der Anleitung von Hans Buchberger begannen die Arbeiten. Buchberger hatte schon vor 15 Jahren an der Erstellung der ersten "Deicha" mitgewirkt. Nun wollte er sein Wissen an "die jungen Leute weitergeben". Und Feuerwehrkommandat Josef Schermer ist ein gelehriger Schüler. Er leitet seine Floriansjünger an, und gemeinsam versuchen sie sich an dem acht Meter langen Kiefernstamm.
Im Hof des Museums ist der frisch geschlagene Stamm aufgebockt. An beiden Enden wird im Kern der Mittelpunkt angezeichnet. Der Bohrer soll sich langsam durch das Holz fressen und genau an der markierten Stelle austreten. Doch bis dahin steht den Feuerwehrmännern noch viel Arbeit bevor.
Mit einem kleinen Handbohrer treiben sie erst ein Führungsloch in den Stamm. Es folgt der 60-Millimeter-Bohrer mit fast drei Meter langem Eisengestänge. Mit vereinten Kräften führen sie den Bohrkopf vorne ins Holz ein, während hinten zwei Männer schwitzend die Kurbel drehen. Ein kurzer Ruck zeigt, dass man wieder ein Stück gebohrt hat. Kommando zurück, und der Bohrer wird wieder aus dem Stamm gezogen. Im spiralförmigen Bohrkopf steckt ein knapp zehn Zentimeter langes Holzstück. Das frische Kernholz riecht stark nach Terpentin, dem Balsam des Baumes. Immer wieder wiederholt sich die
Prozedur: Bohrer rein, kurbeln, ein Ruck, Bohrer rausziehen und das ausgebohrte Holzstück entfernen.
Mit der Zeit wird der erste Bohrer zu kurz, und eine Verlängerungsstange wird angebracht. "Jetzt dreht es sich noch schwieriger", verrät ein Feuerwehrmann. Nach gut zwei Stunden ist der erste Durchschlag geschafft. Nur wenige Millimeter neben dem anvisierten Bleistiftpunkt tritt der Bohrkopf aus dem Holz. Ein Applaus ist den Feuerwehrmännern sicher. Doch die Arbeit ist noch lange nicht erledigt. Damit auch genügend Wasser gehoben werden kann, muss der Durchmesser der "Deicha" auf 90 Millimeter vergrößert werden. Mit einem zweiten, stärkeren Bohrer wird aber auch
diese Arbeit zügig erledigt.
Noch einmal nimmt Hans Buchberger Maß und zeichnet die Öffnung für den Wasserauslauf an. Nicht ganz so traditionell wird mit einem Elektrobohrer das kreisrunde Loch in den Stamm getrieben. Das Ausfeilen ist dann aber wieder Handarbeit, genauso wie das Einsetzten des Hebegestänges.
Noch liegt das hölzerne Brunnenrohr in der Vertikalen. Mit Sicherheitsgurt und Lampe ausgestattet, steigt ein Feuerwehrmann in den dunklen Brunnenschacht hinab. Er bereitet das untere, im Wasser stehende Stück für den Wechsel vor. Schon vorher war er hinabgestiegen, um die alte, morsch gewordene "Deicha" zu lösen. Mit dem Frontlader eines Traktors war sie herausgezogen und in kleine handliche Stücke zersägt worden. Die neue "Deicha" galt es nun genau so wieder einzusetzen.
Wie ein Kranarm hebt der Traktor langsam das Brunnenrohr in die Höhe, um es dann in den Schacht abgleiten zu lassen. Knapp zwei Meter ragt das mächtige Holz über den Brunnenrand heraus. Das Geschöpf wird angenagelt und mit dem Hebegestänge verbunden. Nach einigen weiteren Handgriffen ist auch der Brunnenschacht wieder abgedeckt, und alles wartet auf den großen Augenblick:
Zwei, drei Hübe am Pumpschwengel · und das frische klare Wasser fließt wieder. Die verschwitzten Männer der Feuerwehr klopfen sich nach getaner Arbeit auf die Schulter und waschen sich mit dem kühlen Nass die Hände.
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