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Bericht des Eichstätter Kuriers vom 25./26. Mai 2002:
Auf dem Feldflora-Reservat in Hofstetten wächst heuer erstmals Einkorn
Hofstetten (aur) Hans Ganser (66) hat in diesen Tagen viel zu tun: Nach Art seiner Ahnen ist der Bauer mit dem Distelstecher auf dem Getreideacker unterwegs und versucht, das stachlige Unkraut in die Schranken zu weisen. "Manchmal wird's mir zu viel", sagte er: "Wenn du eine Distel abstichst, wachsen fünf neue raus." Aber dieser Acker ist die Mühe wert, denn Ganser betreut in Hofstetten das Feldflora-Reservat des Jura-Bauernhof-Museums, und dort wird nicht nur ökologisch angebaut - was den Disteln leider sehr behagt -, hier wachsen mittlerweile auch rare Getreidesorten,
damit Besucher und insbesondere Schulklassen etwas lernen können
Heuer hat Ganser eine neue Rarität angesät: das Einkorn, eine Urgetreideart, bei deren Anbau ihn das Ingolstädter Landwirtschaftsamt berät. Ansonsten wachsen auf dem knapp einen halben Hektar großen Gelände gleich hinter dem Museumshof noch Dinkel, Buchweizen, Sommergerste, Winterweizen, Hafer und Flachs, dazu als traditionelles Grünfutter der Rotklee und die Esparsette. Letztere ist eine althergebrachte Futterpflanze im Jura, die, so Ganser, in Hofstetten bis etwa 1960 angebaut wurde, dann aber von der Luzerne und dem so genannten Juragemenge verdrängt wurde. Ein schmaler
Ackerstreifen wird, wie es in der Dreifelderwirtschaft üblich war, nicht bewirtschaftet und kann sich ein Jahr lang "erholen". Im nächsten Jahr will Ganser eventuell auch noch einen Ackerstreifen mit dem Urgetreide Emmer bepflanzen. Aber momentan, sammelt er erst einmal Erfahrungen mit dem Einkorn, das für Anfänger durchaus seine Tücken hat. Das Einkornmehl aber, so Ganser, ist wegen seines besonders guten Klebergehalts für Feingebäck begehrt
Im Sommer wird das Getreide voraussichtlich wieder mit dem betagten "Ableger" aus dem Museums-Maschinenpark gemäht. Das Gerät, das von Pferden gezogen wird, hatte zwischen den beiden Weltkriegen auf den bayerischen Bauernhöfen Hochkonjunktur. Bereits im vergangenen Jahr kam es in Hofstetten vor großem Publikum wieder zu Ehren. Als weitere Ernteaktion ist das Einholen des Flachses im August geplant. Dann können die Zuschauer erleben, wie sich noch vor einer Generation die Bauern bei härtester Handarbeit gemüht haben - eine sicher Respekt einlösende Erfahrung.
Auch auf dem Museumshof selbst hat sich etwas getan: Hans Ganser und seine Tochter, die neue Museumswartin Gabriele Betz, haben Hühnerküken, Gänse und Enten angeschafft, damit sich auf dem Hof vor allem für die Kinder etwas rührt. Im Bauerngarten wächst verschiedenstes Gemüse. Besonders stolz ist Ganser aber auf einen alten Grabstein eines ehemaligen Bauern auf dem Kipferlerhof Der Stein, dessen Größe allein von Wohlstand zeugt, lag unbeachtet in einer Hofecke, jetzt steht er, von Ganser liebevoll restauriert, neben dem steinernen Brotbackofen und erinnert an den 1928 verstorbenen
"Herrn Josef Albrecht, Ökonom v. hier" und dessen Gattin Walburga.
Fundierte Führungen durchs Museum und auf Wunsch auch durch das Feldflora-Reservat gibt dann Hans Ganser.
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