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(geöffnet bis 18. Oktober 2009)Bericht des Eichstätter Kuriers vom 23./24. Mai 2009Erinnerungen an die Kindheit
Er selbst erinnerte an eine Dampfmaschine, die er als
Gymnasiast in einem Eichstätter Spielwarengeschäft entdeckte. Eine ähnliche
Maschine ist in Hofstetten jetzt ausgestellt. Zudem bedankte sich der Altlandrat
bei den zahlreichen Gönnern und Freunden des Museums, die mit ihren Leihgaben
zum Zustandekommen der Ausstellung beigetragen haben. In ihrer Einführung wies Marianne Grund auf die Charakteristika der meisten Spielsachen hin: „Bis heute ist am Spielzeug der technische Fortschritt und überhaupt alle Innovation abzulesen.“ An einer ganzen Reihe ausgestellter Objekte ließe sich zudem die so genannte „schlechte Zeit“ erkennen, also Spielzeug aus den Jahren während und nach dem Zweiten Weltkrieg. „Die Eltern haben trotz Not und Mangel zwar mit einfachen Mitteln, aber mit viel Liebe ihre Kinder mit Spielzeug versorgt.“ Mit den ausgestellten Dingen solle kein Anspruch auf museale Vollständigkeit erhoben werden, so Grund. „Uns geht es vielmehr um die Geschichten und Erinnerungen, die mit diesen Spielsachen zusammenhängen.“ Vielleicht entdecke man seine eigene Kindheit wieder. Sehen, wie Kinder früher gespielt habenMit Greta, Merret und Timo unterwegs in der neu eröffneten Sonderausstellung des Jura-BauernhofmuseumsVon Marco Schneider
In der Tür bleiben die drei wie angewurzelt stehen,
schauen sich erst einmal ganz vorsichtig in dem großen Raum um. Zwei große
Glasvitrinen in der Mitte, vier am Rand, mannshoch. Ein Blick um die Türe
rechts, einer links, bevor die fünfjährige Greta die Führung übernimmt.
Schnurstracks marschiert sie um die Ecke, wo im Unterbau der Dachbodentreppe
auch ein Schaukasten eingerichtet ist. „Oh, schau mal, da ist ein
Bauernhof“, macht Greta Merret und Timo aufmerksam. „So etwas haben wir auch
daheim“, ergänzt Merret. „Aus Playmobil.“ Klar, der sei natürlich viel moderner. Aber spielen würden
die drei mit dem Ausstellungsobjekt natürlich auch. „Warum denn nicht?“,
kontert die achtjährige Merret. Timo hält sich dabei ganz dezent im
Hintergrund. Den beiden Mädels macht es sichtlich Spaß, die Spielsachen mit
der heutigen Zeit zu vergleichen und ihre Analysen der Umgebung mitzuteilen.
Greta weiß auch gleich über die Holzbausteine Bescheid. „Ich bau zu Hause
immer große Vierecke mit meinen Steinen.“ Aber die in der Vitrine, die seien
schöner. „Die schauen doch viel echter aus“, ergänzt ihre Schwester. Der achtjährige Timo hält derweil lieber Ausschau
nach adäquaten Spielsachen für Buben in seinem Alter. Er entdeckt ein paar
Autos in der Vitrine – und würde sie glatt mit seinen daheim austauschen:
„Die sind von der Form her doch viel schöner“, stellt er völlig
selbstbewusst fest. Fündig wird er auch in der Ecke zwischen Bauernschrank und
Vitrine mit den Puppenstuben. Da ist ein Baukasten ausgestellt. „Das ist dann
auch eher was für mich“, strahlt er. Aber Merret und Greta lassen ihn nicht lange da stehen
und schleppen ihn mit zu den Puppenstuben. Timo bleibt ein wenig skeptisch
daneben stehen. „Ich habe auch eine Puppenstube daheim“, sprudelt es aus
Merret hervor. Die sei aber bei weitem nicht so schön eingerichtet wie die
hier. „Meine Tapeten und die Möbel sind nicht so schön.“ Greta kontert
sofort. Das allein sei nämlich kein Grund, jetzt hier irgendwelche
Tauschaktionen durchzuführen. Greta steht schon an der nächsten Vitrine. „Hier,
ich habe ein Puzzle gefunden!“, ruft der blonde Dreikäsehoch und Merret und
Timo trappen hinterher. „Das ist bestimmt schon so alt wie die Steinzeit“,
stellt sie ganz selbstsicher fest. „Stimmt, schon allein die Schrift ist ganz
anders“, weiß Merret. Puzzles gebe es natürlich bei ihnen zu Hause auch,
aber mit ganz anderen Bildern drauf. „Da haben wir ganz viele, zum Beispiel
mit Pferden, Hasen oder Feen drauf.“ Mit den Pferden ist auch das Stichwort für die
Kuscheltiere gefallen. Die sind nämlich in der Vitrine gleich nebenan
ausgestellt. „Ich hab ein Pferd zu Hause, das kann gehen und mit dem Kopf
wackeln, mit so einer Schnur dran, wie das hier“, erzählt Greta und deutet
dabei auf ein schwarzes Tier, das auf dem Boden steht. Ihre Schwester belehrt
sie aber gleich: „Mensch, du, das ist doch kein Pferd, das ist ein Hund.“
Macht nichts, schön sei er trotzdem. Und den Teddybär im Eck würde Merret
sofort mit ins Bett nehmen: „Schön ist er zwar nicht, aber ich würd ihn
trotzdem nehmen, wenn es keinen anderen gibt.“ Über das Pferd aus Wachstuch gibt es im
Geschwisterkreis noch Diskussionen. Das sei doch genauso alt wie der Hund und
schaue trotzdem schon viel heruntergekommener aus. Die jüngste der drei hat
sofort eine Erklärung parat. „Ich habe als Baby auch einen Elefanten gehabt,
den ich ganz viel abgekaut habe, vielleicht ist das hier auch passiert.“ Jetzt sind sie einmal durch. Zufrieden stehen sie in der Mitte des Raumes, lassen noch einmal alles auf sich wirken, bevor sie die Treppe hinunterlaufen. „Papa, Mama, das ist ganz toll da oben“, rufen sie ihren Eltern zu, die es sich bei Kaffee und Kuchen derweil im Hof des Bauernhofmuseums gemütlich gemacht haben. „Da kann man sehen, wie die Kinder früher gespielt haben, das müsst ihr auch ansehen“, ruft Merret und bittet nach oben – zur zweiten Runde der Besichtigung. |
Jura-Bauernhof-Museum, Schlossstr. 19, 85122 Hitzhofen-Hofstetten, E-Mail |