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Bericht des Eichstätter Kuriers vom 08.05.2005
Zwischen Ahle und Ledermesser ein Gefühl wie zu Hause
Nikolaus Gangauf führt durch die Sonderausstellung
mit 100 Jahre alter Schusterwerkstatt im Bauernhof-Museum Hofstetten
Andrea Franzetti
Hofstetten
(ztt) Eigentlich könnte er sofort wieder loslegen und besohlen: Schuster
Nikolaus Gangauf fühlt sich in der alten Schusterwerkstatt fast wie zu Hause.
Über 100 Jahre alt sind die meisten Geräte und Werkzeuge, die in der neu eröffneten
Sonderausstellung im Jura-Bauernhof-Museum Hofstetten gezeigt werden, und die
meisten kennt er noch aus seiner eigenen Lehrzeit.
Seit
seinem 14. Lebensjahr ist Gangauf mit Ahle und Ledermesser vertraut, fertigt
Schuhe, repariert Sohlen. Der 63-jährige erzählt, dass sein heutiger Betrieb
auf orthopädisches Schuhwerk spezialisiert sei, doch früher habe man
Sonntagsschuhe und Winterstiefel gefertigt. Gangauf zeigt die Geräten und
Exponate in der nachgebauten kleinen Werkstatt im Museum. In den Regalen stapeln
sich handgemachte Schuhe aus vergangenen Zeiten, über dem Holzschemel liegen
grobe Lederstücke, und in den Schubladen der Werkbank sind noch Kartons mit Nägeln
und Schusterwerkzeuge.
Der Historische Verein Eichstätt bekam die komplette
Werkstatt vom Eichstätter Schuster Klaus aus der Sebastiansgasse 22 geschenkt.
Auf dem Rossstallboden im Kipferlerhof wurde nun alles detailgetreu aufgebaut,
ergänzt durch Exponate aus dem Fundus. Zu den Ausstellungsstücken zählt auch
Gangaufs Gesellenstück: ein paar handgemachte Lederschuhe. Bei den Schuhen früher
"sei die Brandsohle" sehr wichtig gewesen. Da der "Fuß ja
schwitzte, also gebrannt hat", brauchte man eine Sohle aus einem Leder, die
saugfähig war: eben die Brandsohle, erläutert Gangauf.
Landrat Xaver Bittl sprach bei der Eröffnung vom
"Dorfschuster, der zum Ort dazu gehörte", und "selbst die
Dorfjungen, die lieber barfuß rumliefen, mussten bei blaugefrorenen Zehen"
seine Existenzberechtigung anerkennen. Dieses "alte heimische
Handwerk" passe auch gut ins Museum, weil es früher oft mit der
Landwirtschaft nebenher betrieben wurde.
Um Landwirtschaft drehen sich auch die neuen Exponate
in zwei anderen Vitrinen: "Bäuerliche Geräte in Miniatur" sind da zu
sehen. Xaver Miehling aus Hofstetten zeigt Sensen en miniature, ebenso wie ein
"Odelfass" oder einen hölzernen Leiterwagen. "Alles handgemacht
in stundenlanger Arbeit" verrät der Hobbybastler. Gebastelt und gebaut hat
auch Manfred Hirschberger aus Pietenfeld: ein komplettes Jurahaus mit allen
Details. Vom Legschieferdach bis zur offenen Stalltüre, durch die man das Stroh
sehen kann, ist an alles gedacht. Der leidenschaftliche Krippenbauer hat sein
Geburtshaus nach Fotos und anhand von Erzählungen rekonstruiert und im
Kleinformat nachgebaut. Musikalisch begleitet wurde die Ausstellungseröffnung
von der "Wintershofer Tanzlmusi", die später auch noch im Stadel
aufspielte und Anekdoten und Schwänke erzählte. Die Sonderausstellung ist bis
Mitte Oktober zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.
Weitere Bilder von der Ausstellungeröffnung:
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