(bereits geschlossen, war geöffnet bis 20. Oktober 2002)
Eintauchen in die Welt der Puppen
Sonderausstellung in Hofstetten zeigt kulturhistorisch wertvolle Sammlung
Altes Spielzeug und alte Gerätschaften, das bekannte Landrat Dr. Xaver Bittl: anlässlich der Eröffnung, einer Sonderausstellung zu '"Puppen, und Spielzeug aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende" am Samstagnachmittag im Jura-Bauernhof-Museum, gehöre zu, seinen stillen Leidenschaften. Sprach's, dankte der Eichstätter Puppenexpertin Angelika Wühr für die aktuelle und eine vorausgegangene Puppenausstellung, die sich mit der Sammel- und Bastelleidenschaft rund um die zeitgenössischen Puppen
befasste und ließ sich dann bereitwillig umfassende zu den kulturhistorischen Entwicklungen der Puppenwelt unterrichten. Zusammenarbeit mit dem Landratsamt hat Angelika Wühr die Ausstellung - Puppen und Spielzeug um die Jahrhundertwende' erstellt, die noch bis zum Kirchweihsonntag eine breite Auswahl aus Wührs schier unerschöpflicher Sammlung von historischen Puppen aus der Zeit von etwa 1880 bis 1920 zeigt.
Darüber hinaus hat die Puppenhändlerin und -doktorin, die seit wenigstens 20 Jahren, leidenschaftliche Puppensammlerin ist, zahlreiche Spielsachen und Bücher die unmittelbar Zusammenhang mit einem Puppenleben standen und stehen in, die Ausstellung hineingegeben. Im ersten Stock des vormaligen Kipferlerhofes dürfte die Puppenschau in den nächsten Monaten für viel Publikum sorgen. Denn Wühr hat, in ihrer Ausstellung nicht auf Masse gesetzt-, sondern auf die Qualität, die Anschaulichkeit und die
Sinnfältigkeit der Exponate.
Das hohe Niveau dieser Ausstellung bestätigten dann Landrat Bittl und Kreisheimatpfleger Wunibald Iser sowie der Lehrstuhlinhaber für Volkskunde an der Universität Eichstätt, Professor Dr. Walter Pötzl. Der renommierte Volkskundler zeigte, sich begeistert von der Bandbreite historischer Puppen, wie sie die Sammlung von Angelika Wühr bereit hält, und konnte bei, einem Rundgang so manche erheilende Information zur Eroberung der 'Kinderwelt durch die Puppen beitragen.
Der Siegeszug der Puppen, zunächst nur nach dem Vorbild von Erwachsenenkörpern und -physiognomien entworfen wurden, begann im ausgehenden Barockzeitalter. Allerdings gelingt es dem immer verhältnismäßig teuren, Spielzeugerst in der Zeit des Biedermeier bis in breitere Stadtbürgerschichten vorzudringen. Auch dann gab es, wie Angelika Wühr in ihrer Vorstellung der Ausstellung betonte, zunächst nur sehr eingeschränkten "Puppenspielzeiten".
So wurde mit Wührs ältesten Prachtstücken, die aus der Zeit um 1860 datieren, insbesondere an Weihnachten gespielt. Viel zu teuer und zum Spielen zu wertvoll waren anfangs nicht nur die Puppen selbst mit ihren Porzellanköpfchen und den nach den Moden der Zeit geschneiderten prächtigen Kleidern, auch die höchst aufwendig gearbeiteten Puppenhäuser mussten.
Erst einmal von der Puppenküche, sozusagen pars pro toto, abgelöst werden, damit sich auch weniger betuchte Eltern die Miniaturwelt der Erwachsenen für ihre Kinder leisten konnte.
„Tatsächlich waren Puppen, Puppenstuben und Puppenküchen im späten 19. Jahrhundert in vielen Haushalten Anschaffungen die unter pädagogischer Perspektive getätigt wurden. Funktionsfähige kleine Nähmaschinen und Schnittmuster für die Puppenkleider oder auch Kochbücher für die Puppenküche sollten die Mädchen früh schon an ihre Pflichten Mutter, Hausfrau und Hausherrin heranfahren.
Die Buben standen da naturgemäß ein wenig im abseits. 'Ihnen war der Kinderkaufladen vorbehalten, und auch als Modell für die Puppenfabrikation waren die Buben längst nicht so gefragt wie die Mädchen. Das macht beispielsweise die historischen Matrosenknaben-Puppen heute auch so extrem teuer bei Puppenbörsen und Auktionen.
Die unbedingt sehenswerte Ausstellung ist von Dienstag bis Freitag jeweils von 14 bis 16 Uhr geöffnet und am Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr.
Natürlich sorgte unsere Museumsfamilie für die richtige Bewirtung. |