|

| |
(bereits geschlossen, war geöffnet bis 30. Juni 2002)
Aus der Puppenwerkstatt direkt in die Vitrine
Jura-Bauernhof-Museum widmet sich in einer Sonderausstellung einem immer beliebteren Hobby
Großes Interesse an wertvollen Puppenraritäten
Da hat sich Landrat Dr. Xaver Bittl gerade noch mal herausgeredet: "Seit der Antike sind Puppen ein beliebtes Mädchenspielzeug. Oh heutzutage sollte ich wohl dazu sagen, dass es sicher auch einige Buben gibt, die mit Puppen spielen." So locker und gut gelaunt wie Xaver Bittl bei seiner Eröffnungsansprache war auch die Stimmung bei dieser besonderen Vernissage am Samstagnachmittag im Jura-Bauernhof-Museum: "Puppen ein faszinierendes Hobby" heißt die Sonderausstellung, die bis zum 30. Juni zu sehen ist. Und es waren dann doch hauptsächlich zahlreiche Frauen und Mädchen,
die vor den Vitrinen ihr Entzücken über die zarten Porzellangesichter der Puppen zeigten. Der Landrat lobte vor allem die Fantasie der Künstlerinnen, deren Werken man die Freude am Basteln anmerke.
Puppenmacherin Angelika Wühr erklärte, dass sich unter den Exponaten auch Reproduktionen von Modellen aus den Jahren 1870 bis 1930 befänden, die im Original für die meisten Puppenliebhaber unerschwinglich seien.
Der Herstellungsprozess der kleinen Kunstwerke ist in zwei Schaukästen ansprechend dargestellt. Vom Formgießen übers Brennen, Schleifen, Bemalen und Montieren der Teile können die Besucher hier schrittweise verfolgen, wie die Exponate entstanden sind. Als zusätzliches Schmankerl können die handgefertigten Puppenstuben der Obereichstätterin Emilie Nißl gelten. Ihr Ehemann Clemens Nißl, Mitinitiator der Ausstellung, hob in seiner Ansprache hervor, dass es sich hier um eine einmalige Gelegenheit handele, "diese Raritäten, die sonst als Zierde auf einem Sessel sitzen", auch
einmal der Öffentlichkeit nahe zu bringen. "Wir sind sehr froh über diese Sonderausstellung und hoffen auch, dass es uns gelingt, damit viele Besucher ins Jura-Bauernhof-Museum zu locken", so Nißl.
Wenn Spielzeug Karriere macht, landet es am Ende im Museum: Das gilt nicht bloß für antike Blechautos, sondern auch für Puppen und Puppenküchen. Puppen, die früher selbst in der edelsten und teuersten Variante immer noch zuallererst Kinderspielzeug waren, sind mittlerweile auch eine höchst ernsthafte Angelegenheit für Erwachsene geworden. Seit einigen Jahren erlebt das Hobby "Puppenmachen" einen Boom, und auch das Sammeln neuer Designerpuppen hat viele Freunde. Einen Überblick über dieses
weite Feld bietet eine Ausstellung von Angelika Wühr und Clemens Nißl, die im Jura-Bauernhof-Museum in Hofstetten bis zum 30. Juni zu sehen ist.
Gezeigt werden etwa 40 zum Teil sehr aufwendige und auch wertvolle Puppen in allen erdenklichen Größen und Formen, industriell produzierte ebenso wie solche, die von ehrgeizigen Bastlerinnen selbst gefertigt wurden. Manche sind tatsächlich noch als Spielpuppe für die Kinder gedacht, die meisten aber sind für die Vitrine bestimmt. Der Obergang ist da fließend. Gemeinsam ist allen, dass sie keine Antiquitäten, sondern ganz neu sind. Die Puppen stammen aus dem Besitz von drei Frauen: von Angelika Wühr aus Preith, die in Eichstätt schon seit 17 Jahren eine Puppenwerkstatt betreibt, sowie
von ihren "Schülerinnen" Herta Biedermann und Traudl Meindl aus Obereichstätt.
Ein zweiter Teil der Ausstellung wird von der Obereichstätterin Emilie Nißl bestritten: Sie hat in den vergangenen Jahren sechs filigrane Puppenstuben angefertigt. Bauernstube, Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad und schließlich ein Hutsalon verbreiten den Charme der Biedermeierzeit en miniature. Als Emilie Nißl zu Weihnachten einen Bausatz für eine Puppenstube geschenkt bekam, war die Leidenschaft geweckt worden. Seitdem werden regelmäßig an Winterabenden aus vielen Einzelteilen Möbel zusammengeleimt, gebeizt und geschliffen, werden "Zimmerwände" tapeziert und Fußböden
gelegt. "Dieses Hobby ist weit verbreitet", sagt Angelika Wühr. Und im Falle Nißl liegt diese Art der Freizeitbeschäftigung ohnehin in der Familie: Ehemann Clemens Nißl ist in weitem Umkreis bekannt für seine Zinnfiguren-Schaukästen. Angesichts von so viel Know-how musste Clemens Nißl seiner Frau bei den Puppenküchen selbstverständlich helfen. "Die Männer sind bei den Puppenküchen ganz stark gefragt", hat Wühr festgestellt. Das Puppenmachen dagegen sei "fast nur Frauensache".
Historisch gesehen war das einmal ganz anders: In Oberfranken und Thüringen, wo die Puppenproduktion eine lange Tradition hat, war dieses Handwerk fest in M ännerhand. Zwischen 1900 und 1930 war die "hohe Zeit" der Schmuck- und Spielpuppen, dann kam der Niedergang. Seit etwa 30 Jahren aber erleben die Puppen eine Renaissance, "und vor 15 Jahren ging es richtig toll los", sagt Angelika Wühr.
Die zahlreichen Puppenfans aus Eichstätt und Umgebung leisten ihren Teil dazu, dass der Aufschwung nicht endet, weder bei den selbst gebastelten Knuddelbabys noch bei den käuflichen Sammlerstücken. Manche alte Dame hat ihre ganze Wohnung mit wertvollen Puppen dekoriert. Und Frauen quer durch alle Altersschichten haben sich dem Puppenmachen verschrieben, gießen die edlen Köpfchen, Hände und Füße aus Biskuitporzellan, malen mit feinstem Pinsel die Gesichtchen und schneidern liebevoll Kleider und Unterwäsche. Die aktuelle Ausstellung in Hofstetten soll das Hobby noch populärer machen.
Von Juli bis Oktober folgt dann eine Ausstellung von Angelika Wühr und Clemens Nißl über Puppen und Puppenzubehör um die Jahrhundertwende. Das Museum ist geöffnet dienstags bis freitags von 14 bis 16 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.'
|