(bereits geschlossen, war geöffnet bis 09. Oktober 2001)
Pfeiffenausstellung im Jura-Bauernhof-Museum Hofstetten
"Der Tuwakl is mei Freid": Als Mediziner das Rauchen noch als gesund betrachteten
Raucher haben es heute immer schwerer, ihrem Laster unbeschwert zu frönen. Öffentliche Gebäude, Restaurants und andere Einrichtungen werden immer öfter zur Rauchverbotszone erklärt, und Ärzte wie Politiker lassen keine Gelegenheit aus, vor den Folgen des Tabakkonsums zu warnen.
Dass das Rauchen nicht immer einen derart schlechten Ruf hatte, wusste Kreisheimatpfleger Wunibald Iser zu berichten: Zur Eröffnung einer Sonderausstellung "Der Tuwakl is mei Freid" von Tabakspfeifen und Schnupftabaksdosen, mit der sich das Jura-Bauernhofmuseum in Hofstetten am Internationalen Museumstag beteiligte, führte er die Besucher in die Kulturgeschichte des Tabaks ein.
Vom Zeitpunkt seiner Entdeckung in Amerika an breitete sich der Tabak bis ins 17. Jahrhundert in ganz Europa aus. Besonders in höheren Kreisen wurde das neue Genussmittel ausgiebig geschnupft oder geraucht, nicht zuletzt weil Mediziner die wohltuende Wirkung des Tabakrauchs und des Tabaksaftes bei Erkrankungen, vor allem der Atemwege und der Lunge, hervorhoben", so Wunibald Iser.
Erst im 19. Jahrhundert begannen Wissenschaftler auf die Gefahren übermäßigen Tabakkonsums hinzuweisen, der heute jährlich 110000 Menschen das Leben kostet.
Im Anschluss erläuterte Eberhard Händl den Besuchern einige der über 300 Ausstellungsstücke, die zum größten Teil der Sammlung seines Vaters entstammen.
Dieser hatte unter anderem eine beachtliche Zahl an Pfeifen zusammengetragen. "Die Ältesten sind bis zu 300 Jahre alt", versicherte Händl. Darunter befinden sich neben sehr einfachen Modellen (eine Pfeife, die aus den amerikanischen Südstaaten stammt, etwa wurde aus einem ausgehöhlten Maiskolben und einem Knochen zusammengesetzt) auch wahre Kunstwerke aus Porzellan oder Meerschaum.
Besonders die Meerschaumpfeifen die wegen ihrer Farbe auch als "weiße Göttinnen" bezeichnet werden, wurden sehr aufwendig gearbeitet und mit Motiven der Jagd, der Landwirtschaft, des Militärs oder dem Konterfei berühmter' Persönlichkeiten wie König Ludwig II verziert. Schließlich sollten sie ihren Besitzern als Statussymbol dienen.
Des Weiteren umfasst die Ausstellung noch einige Zigaretten- und Zigarrenetuis und Schnupftabaksdosen. Letztere zeigen sich vor allem durch ihre große Vielfalt an Farben, Formen und Materialien wie Holz, Horn oder Silber aus.
Auch mit einigen Informationen zur landwirtschaftlichen Bedeutung des seit 1630 in Bayern praktizierten Tabakanbaus kann die Ausstellung aufwerten. Ein kleiner Teil des jährlichen Tabakausstoßes Bayerns, der momentan immerhin für 770 Millionen Zigaretten reichen würde, entsteht übrigens in Hofstetten: Parallel zur Ausstellung, die noch bis Dienstag, 9. Oktober, zu sehen ist, bauen die Mitarbeiter des Bauernhofmuseums im Garten der Anlage einige Tabakpflanzen an. |