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Die Liebe geht durch den Magen

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Bericht des Eichstätter Kuriers vom 27./28.05.2006

„Die Liebe geht durch den Magen“

Kochen und Essen zu Urgroßmutters Zeiten

mit anschließendem „Hoagarten“ mit der „Wintershofer Tanzlmusi“ – Geschichten und Anektoden von Gerhard Julius Beck

 

Die Ausstellung ist vom 25. Mai – 15. Oktober 2006 geöffnet.

 

„Wenn Liebe durch den Magen geht“

Hofstetten (lu) Den Hausfrauen müssen die Ohren geklungen haben, denn just am Vatertag wurde ihnen bei der Eröffnung der Dauerausstellung „Die Liebe geht durch den Magen - Kochen und Essen zu Urgroßmutters Zeiten" im, Jura-Bauernhof-Museum. Hofstetten hohes Lob aus Männermund zuteil. Landrat Xaver Bittl, der eingangs Hitzhofens Bürgermeister Andreas Dirr, Kreisheimatpfleger  Wunibald Iser und die „vor Ideen schwangere" Marianne Grund begrüßt hatte, selbst war es, der mit einem geübten Blick in die Runde der anwesenden Männer sachkundig feststellte, dass das Thema der Ausstellung auch heute noch durchaus seine Berechtigung habe.

Auch in unseren Tagen gelte, dass nichts so wichtig sei wie eine gesunde Ernährung. Mit Blick auf die von Marianne Grund behutsam zusammengetragenen und überaus wertvollen Ausstellungsstücke wie alte Kochbücher mit teils handgeschriebenen Rezepten und heute nicht mehr verwendeten Küchengeräte aller Art, unter denen der Umbach’sche Dampfkochtopf aus dem Jahre 1908 ein echter Renner ist, bedankte sich der Landkreischef vornehmlich bei der Abtei St. Walburg und bei Julitta und Heinz Eisenhart für die Überlassung der Ausstellungsstücke.

Marianne Grund aus Eichstätt führte kurzweilig in das Thema der Ausstellung ein. Feine Küche und ein ehemaliger Bauernhof passten auf den ersten Blick wohl nicht zusammen, habe doch früher in der bäuerlichen Küche die Kochkunst keine allzu große Rolle gespielt, da es in erster Linie darum ging, satt zu machen. In den Berichten der bayerischen Landgerichtsärzte von 1860, den berühmten Physikatsberichten, wird die Eintönigkeit der Ernährung der Landbevölkerung festgestellt.

Höchste Sorgfalt

Anders dagegen sei es um die städtische bürgerliche Küche bestellt gewesen, führte die Referentin weiter aus. Schon die Vorreden in den einschlägigen Kochbüchern betonten die Wichtigkeit eines gut geführten Haushalts, besonders der Küche, die eine Hauptbedingung eines zufriedenen Familienlebens bilde. Die Frau solle bei der Zubereitung der Speisen höchste Sorgfalt walten lassen und den Tisch mit Abwechslung und Wohlgeschmack bestellen.

In kleinbürgerlichen Haushalten sei zunächst die Mutter die Lehrmeisterin gewesen, wobei Mädchen aus kleinen Verhältnissen oder vom Lande die Möglichkeit hatten, in einem „besseren Haushalt" in Stellung zu gehen. Ab dem frühen 20. Jahrhundert boten sich vor allem für die Landbevölkerung die Kochkurse der Landwirtschaftsschulen an, während die „höheren Töchter" aus betuchten Familien eine Haushaltungsschule besuchten.

Ein gutes Beispiel dafür war die von 1926 bis 1971 bestehende Haushaltungsschule St Walburg in Eichstätt. Diese Kochkurse und Haushaltungsschulen haben die jungen Frauen zumeist mit handgeschriebenen Rezepten verlassen, von denen in den Vitrinen des Jura-Bauernhofmuseums einige zu sehen sind. Um 1895, so die Vortragende; sei von Johann Weck neben anderen Firmen wie Rex, Kiefer oder Gerrix das Einmachsystem mit Einmachtopf, Gläsern und Klammern auf den Markt gebracht worden.

Ein besonderes Schmankerl in der Ausstellung ist ein Glas mixed pickles der Firma Rex aus dem Jahre 1913, was für die Qualität dieser Konservierungsart spricht. Trotz Fastfood, Tiefkühlkost, Fertigprodukten und Miniküchen in den Neubauten sei das Interesse am Kochen anscheinend ungebrochen, wie unzählige Kochbücher und Kochsendungen im Fernsehen augenscheinlich beweisen.

Die „Wintershofer Tanzlmusi“ und Gerhard Julius Beck mit seinen Gedichten und Anekdoten rund um die bayerische Küche machten bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen den Start einer sehenswerten Ausstellung, die noch bis in den Oktober hinein zu besichtigen ist, zu einem gelungenen Erlebnis.

 Bilder von der Ausstellungeröffnung:

 
                                    Jura-Bauernhof-Museum, Schlossstr. 19, 85122 Hitzhofen-Hofstetten, E-Mail