Zur externen Seite Naturpark Altmühltal Das Jura-Bauernhof-Museum in Hofstetten Ausstellungen Veranstaltungen Museum Verein
Handarbeitsausstellung

Bierkrugausstellung Pfeiffenausstellung Puppenausstellung I Puppenausstellung II Handarbeitsausstellung

Home
Nach oben

 

Suche

Inhaltsverz.

Impressum

  • Ausstellung Handarbeit (geöffnet vom 10. Mai bis 12. Oktober 2003

 

(Bericht des Eichstätter Kuriers vom 10./11. Mai 2003)

 

"Die Küche geht dich gar nichts an"

Sonderausstellung im Jura-Bauernhof-Museum widmet sich der Aussteuer

 Die so genannte Richelleu-Stickerei, benannt nach dem französischen Kardinal und Staatsmann, kam bei Prunkkopfkissen zum EinsatzHofstetten (aur) "Die treue Hausfrau fleißig schafft, als wär's der Heinzelmännchen Kraft". So steht es, fein gestickt, auf einem Schmucktuch, das in einer Sonderausstellung des Jura-Bauernhof-Museums in Hofstetten zu sehen ist. Und gerade mit Blick auf den morgigen Muttertag darf man da ins Grübeln kommen über die Rolle, die die Gesellschaft früher der Hausfrau und Mutter zugewiesen hat - und es gelegentlich heute noch tun will. "Was Mütterlein mir einst bescheert ..." lautet der Titel der Ausstellung, bei der Aussteuerwäsche und gestickte Küchentextilien gezeigt werden.

Marianne Grund zeigt ein besticktes ÜberhandtuchDie Exponate stammen alle aus der Zeit von 1880 bis etwa 1930, enthalten ist auch eine kleine Sammlung von alten Handarbeitsutensilien. Zusammengestellt wurde die kleine, aber feine Schau von Marianne Grund aus Eichstätt, die zusammen mit Kreisheimatpfleger Wunibald Iser verantwortlich für das Inventar im ehemaligen Kipferlerhof ist. "Fast alle Stücke der Ausstellung kommen von der Familie meines Mannes, bis zurück zur Urgroßmutter", sagt Marianne Grund, die ausgesprochen stolz auf diese Hinterlassenschaft eines "gutbürgerlichen Haushalts" ist. "Die Frauen dieser Familie müssen sehr handarbeitsbegeistert gewesen sein."

Das spiegelt sich auch in der Tatsache, dass es im Hause Grund schon vor knapp 100 Jahren ein Abonnement der Berliner Zeitschrift "Frauen-Fleiss - Handarbeitsblatt für die Familie" gab. "Da habe. ich ganze Stapel davon", meint Grund.

Mit blauer Farbe und Schablonen aus Kupferblech wurden Muster und Schriften auf Stoffe aufgebracht - als Vorgabe für die StickereiSticken war vor Beginn des Fernsehzeitalters bei Frauen eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Die Texte allerdings, die da mühsam auf Leinen- oder Baumwolltücher, gerädelt wurden, entlocken dem heutigen Betrachter bloß ein Schmunzeln: "Blank geputzt und rein gefegt- alle Hände flink geregt!" heißt es zum Beispiel. Oder: "Guck, nicht ins Töpfchen, lieber Mann, die Küche geht dich gar nichts an". Und: "Mein Heim - mein Stolz". Volkskundeexpertin Grund bittet um Nachsicht für die Altvorderen: "Das war einfach eine andere Zeit" - auch wenn es damals bereits die Frauenbewegung gegeben habe. Das noble Tuch mit der Heinzelmännchen-Parole zum Beispiel geht auf das Jahr 1910 zurück. "Heute können sich die Leute natürlich nicht mehr identifizieren mit diesen Sprüchlein, mit denen die Frauen rein auf den Haushalt reduziert werden." Der ganze bürgerliche Tugendkanon sei da nachzulesen: sittsam und treu, brav und fleißig, reinlich und sparsam.

Natürlich musste eine Frau eine solide Aussteuer mit in die Ehe bringen. Die war für ein "heiratsfähiges" Mädchen früher von entscheidender Bedeutung. Dazu gehörten zwar auch Möbel und Geschirr, auf dem Land kam auch noch eine Kuh dazu, am meisten punkten konnten die Bräute aber mit der edlen Aussteuerwäsche - genau jenen Teilen, die jetzt in Hofstetten zu sehen sind. Die Wäsche wurde bei der Eheschließung öffentlich gezeigt, war somit auch Repräsentationsobjekt und gab Auskunft über die Vermögensverhältnisse der Braut. Es war ein "Kontoauszug" aus Leinen und Baumwolle.

Die Bedeutung der Aussteuer und vor allem der Aussteuerwäsche ging erst vor etwa 30 Jahren zu Ende, hauptsächlich aus einem ganz banalen Grund: Seit den 1970er Jahren unterlag auch die Bettwäsche der jährlich wechselnden Mode. Da wollte keine Frau mehr jahrelang altmodische Textilien horten.

Die Ausstellung "Was Mütterlein mir einst bescheert ..." ist bis zum Herbst im Jura-Bauernhof-Museum zu sehen.

 

Weiter Bilder von der Ausstellung:
 
                                    Jura-Bauernhof-Museum, Schlossstr. 19, 85122 Hitzhofen-Hofstetten, E-Mail