Zur externen Seite Naturpark Altmühltal Das Jura-Bauernhof-Museum in Hofstetten Ausstellungen Veranstaltungen Museum Verein
Bierkrugausstellung

Bierkrugausstellung Pfeiffenausstellung Puppenausstellung I Puppenausstellung II Handarbeitsausstellung

Home
Nach oben

 

Suche

Inhaltsverz.

Impressum

Bericht des Eichstätter Kuriers vom 05. Mai 2004

Ausstellungseröffnung im Bauernhofmuseum

Auf dem Rossstallboden im Jura-Bauernhof-Museum eröffnete Landrat Dr. Xaver Bittl die neue sonderausstellung zum Thema "Bierkrugdeckel" zusammen mit Wilhelm Eisenhart, Marianne Grund, Eberhart Händl und Winibald Iser (von links)Hofstetten (ztt) Jedes Jahr lockt das Jura-Bauernhofmuseum mit einer Wechselausstellung. Heuer ist „Die idyllische Welt auf dem Krugdeckel" zu bewundern (siehe nebenstehenden Bericht). Zur Eröffnung dankte Eichstätts Landrat Dr. Xaver Bittl den Organisatoren Marianne Grund und Kreisheimatpfleger Wunibald Iser. Die Porzellanmedaillons erlaubten „einen Einblick in einen besonders liebenswerten Bereich der Sachkultur", so der Landrat. Ein Großteil des Exponate stammt vom Denkendorfer Tierarzt Eberhard Händl. Seine Sammelleidenschaft begann mit „dem Stammkrug des Urgroßvaters" erzählte er. Weitere Krugdeckel habe er auf Bauernhöfen zusammengetragen, und sogar „aus einer Hauswand rausgekratzt", wo sie zur Verschönerung eingemauert waren. Auf die Geschichte der Krugdeckel ging Wilhelm Eisenhart ein. Da Bier früher keine Kohlensäure und weniger Schaum gehabt habe, erfüllten Deckel einen praktischen Nutzen: „das Bier wurde nicht so schnell schal", so der Zinngießer. Mit einem Aufruf die „alte Tradition der individuellen Krüge wieder aufleben" zu lassen, warb er zwar auch für sein Geschäft, mahnte aber zugleich für den Erhalt des Brauchtums.

"Idyllische Welt"

Dicke Waden und armer Zecher auf Bierkrugdeckeln

Hofstetten (ztt) Nicht zu tief ins, aber aufs Glas schauen sollte man bei der neuen Wechselausstellung im Jura-Bauernhof-Museum in Hofstetten. Kunst auf dem Krugdeckel ist angesagt im ehemaligen Rossstallboden im Obergeschoss des Kipferlerhofes. „Die idyllische Welt" zeigen die Porzellanmedaillons, die mit und ohne Krug in den Vitrinen zu sehen sind. Geordnet nach Bildern zur Jagd, zum Bauernstand oder mit religiösen Motiven bieten die farbenprächtigen Zeichnungen mit nicht mehr als zehn Zentimeter Durchmesser einiges an Hinguckern. Der Landwirt mit Ochsengespann reiht sich ,neben prächtige Hirsche mit Geweih und bunte Blumensträuße. Die „Vaterländischen Motive" künden von Patriotismus und Heimatliebe. Szenen des Kriegs- und Soldatenalltags in filigraner' Mann die Uniformierten Manier zeige im Dienst, und die Sammlung der offiziellen Krönungsportraits der bayerischer Monarchen sind auch auf Porzellan gebannt.

Früher schmückten die Medaillons die Bierkrüge der Honoratioren. Der Bürgermeister und der Apotheker, der Tierarzt und auch der Pfarrer hatten jeder ihren individuell gestalteten Bierkrug mit Zinndeckel und passendem Bild. Neben dem Besitzerstolz reihte sich die Freude am Dekorativen. Aber auch für die des Lesens unkundige Bedienung war es dank des bemalten Deckels einfacher, dem jeweiligen Herren sein Bier im passenden Krug zu bringen.

Die ältesten Exemplare in der Ausstellung sind von 1820 und noch rein handgemalt. Später setzte sich das Umdruckverfahren für die Gestaltung durch. Dabei wurde das Motiv zuerst auf den Träger, das Umdruckpapier, gedruckt. Das noch feuchte Druckblatt wurde anschließend sofort auf das gewölbte Porzellanmedaillon abgerieben also umgedruckt". Die farbliche Ausgestaltung oblag Porzellanmalern, die häufig in Heimarbeit die Medaillons gestalteten. In einer der Vitrinen finden sich ein „schwarz-weißes" Musterbild und vier gleiche Motive, die jeweils unterschiedlich koloriert wurden. Die Kenntnisse und Geschicklichkeit des Malers spielten dabei eine große Rolle.

So wundert es nicht, dass es Bauern mit gelben oder roten Hosen gibt, und auf dem Pferdefuhrwerk blaues Stroh eingefahren wird. Durch das Brennen veränderte sich die Farbgebung noch einmal. Wer dies vorher nicht bedacht hatte, sah als Ergebnis die zuvor erwähnten „Ausrutscher". Frömmigkeit spiegeln die Heiligenmotive wieder. Oft war es der jeweilige Namenspatron des Bierkrugbesitzers, der das Emblem schmückte, aber auch Jesus- und Mariendarstellungen finden sich.

Im Kontrast zu den religiösen Zeichnungen stehen die Frauenbildnisse. Die holde Weiblichkeit ist häufig auf den eigentlich rein Männern vorbehaltenen Krügen verewigt. Und während der geschlossene Deckel noch die drei Grazien in hübschen Kleidern

zeigt, kann beim ersten Schluck die „Kehrseite" bestaunt werden. Freizügig und frivol sind die Damen bei geöffnetem Krug zu sehen. Kein Wunder, wenn somit häufiger „ins Glas" geschaut wurde.

Wappen, Blumen und Früchte sind dann eher „harmlosere" Motive, die auf weiteren Krugdeckeln zu sehen sind. Die große Anzahl von Medaillons ohne den entsprechenden Krug erklärt sich durch die Zerbrechlichkeit Glases, aber auch durch den Ersten Weltkrieg. Damals wurde Zinn für Kriegszwecke eingezogen, und so löste man die Medaillons aus den Deckeln. Zu bestimmten Anlässen waren die Miniaturgemälde ein beliebtes Geschenk: Aufschriften wie „Zum Andenken", „Alles Liebe" oder „Zur Hochzeit" sind Zeugnis für den bleibenden Wert. Ganz andere Töne schlagen die oft derben Sprüche an, die auch ausgestellt werden. Unter dem Bild, das die wohlbeleibte Dame zeigt, der der Wind den Rock leicht lüftet, steht „Dicke Waden" und der sichtlich angeheiterte Trinker, der seine Zeche nicht zahlen kann, entschuldigt sich mit „Der Sack muss a Loch ham, drum find i koo Geld".

                                    Jura-Bauernhof-Museum, Schlossstr. 19, 85122 Hitzhofen-Hofstetten, E-Mail